Bitte verwende GPLv3 “or-later” statt “only”

·2 min·Andreas Haerter·

Es ist sinnvoll, Copyleft-Lizenzen zu bevorzugen. Die bekannteste Copyleft-Lizenz ist sicherlich die GNU General Public License (GPL), deren zur Zeit neuste Version 3 im Jahr 2007 veröffentlichte wurde. Wenn man die GPLv3 verwenden, muss man sich entscheiden, ob die “GPL v3.0 or later”- oder die “GPL v3.0 only"-Lizenzierung zum Einsatz kommt. Dies liegt an der Klausel 14 “Revised Versions of this License” of the GPLv3.1

Diese Klausel behandelt, wie zukünftige Versionen der Lizenz gehandhabt werden und besagt, dass die Free Software Foundation (FSF) neue Versionen der GPL veröffentlichen kann, die im Geiste der aktuellen Version ähnlich sein werden, aber Änderungen zur Bewältigung neuer rechtlicher und technologischer Fragen enthalten können. Dies stellt auch den Schutz freier Software vor möglichen Fehltritten der Free Software Foundation (FSF) selbst sicher da beispielsweise niemand eine gültige GPLv4 ohne Copyleft erklären könnte. Es wird immer wieder argumentiert, dass die GPLv3 grundlegend anders ist als die GPLv2. Aber am Besten liest man sie einfach selbst, um festzustellen, dass die Vorwürfe unbegründet sind – sie ist im Geiste tatsächlich ähnlich. Wir für unseren Teil empfehlen daher für unsere eigenen Projekte, die “or later”-Variante zu wählen.

Aus Fehlern in der Vergangenheit lernen

Die Verwendung von GPL-2.0-only hat in der Vergangenheit erhebliche Kompatibilitätsprobleme mit anderen Lizenzen geschaffen, die die Integration und Verteilung kombinierter Werke behinderten. Beispielsweise ist Software, die unter GPL-2.0-only lizenziert ist, nicht mit der Apache-2.0-Lizenz kompatibel, was die Kombination von zahlreichen Code-Basen bis heute verhindert. Und einige Projekte mussten viel Zeit und Arbeit investieren, um die Lizenzierung zu ändern, um eine bessere Lizenzkompatibilität zu erreichen und Integrationsbarrieren zu reduzieren. Diese Probleme können zu Fragmentierung und geringerer Flexibilität im Open-Source-Ökosystem führen.

Die GPLv2 hat gezeigt, dass diese Anpassungsfähigkeit notwendig sein kann, da das Festhalten an GPL-2.0-only keinen wesentlichen Nutzen brachte aber zu Kompatibilitätsproblemen führte. Daher ergibt es Sinn, wann immer möglich die “or later” Option zu wählen. Dieser Ansatz bewahrt nicht nur den Geist der Lizenz, sondern bietet auch eine Absicherung gegen potenzielle zukünftige Herausforderungen, ähnlich einem gut vorbereiteten Notfallplan.

Schlussfolgerung

Die “or later”-Klausel der GPL-3.0-or-later-Lizenzierung ist wichtig, da sie die Weiterentwicklung der Lizenz ermöglicht, um mit sich ändernden Umständen Schritt halten zu können und fortlaufenden Schutz und Freiheit für Softwarebenutzer und -entwickler zu gewährleisten. Diese Klausel ist wie ein Sicherheitsnetz, das erlaubt, sich an zukünftige Änderungen in der rechtlichen und technologischen Landschaft anzupassen und eine Zusammenarbeit verschiedenster Parteien auch in Zukunft zu ermöglichen.


  1. Dies gilt auch für Klausel 9 der GPLv2↩︎